AMARO MIA, AMORE MIO

Habe mir kürzlich eine Flasche Cynar zugelegt.
Einerseits, um den Orchard Thief zu mixen, den ich unlängst auf IMBIBE entdeckt habe, andererseits wuchs meine Neugierde, stößt man doch öfter auf Drinks, die diesen italienischen Amaro enthalten.
Hinzu kommt, das ich schon seit geraumer Zeit auf Cocktails stehe, die Bitterliköre enthalten und ich Cyanr noch nie probiert hatte.
Pur finde ich sie alle gruselig, da macht dieser, auf Artischocken basierende Kräuterlikör keine Ausnahme, außer einen knackigen Underberg nach dem Essen oder einen Fernet Menta, total hacke um 3 Uhr morgens!
Mixologisch hingegen sind Amaros der Knaller!
Dieses Geheimnis, das schon lange keines mehr ist, sollte zumindest Euch, den Gästen der MPREZZ geläufig sein, nicht zuletzt durch Drinks wie dem PERMANENT HOLIDAY oder meinem wunderbaren PAULIE WALNUTZ.

Gary Wallach‘s
ORCHARD THIEF
4,5 CL Bourbon
1,5 CL Cynar
2 CL Apple Shrub
2 CL Zitrone
1 Dash Angostura
Alle Zutaten auf Eis schütteln und auf frisches Eis abseihen.

Apple Shrub:
3 Tassen Äpfel, in kleine Würfel geschnitten
1 Tasse Vollrohrzucker
1 Tasse Cidre Essig
4 Zimtstangen
1 Muskatnuss
10 Nelken
Zimt und Muskat mit dem Mörser leicht zertrümmern.
Alle Zutaten, außer dem Essig, vermischen und 3 Tage stehen lassen.
Essig hinzufügen, durchschütteln und durch ein tuch abseihen.
Hält sich im Kühlschrank einige Zeit.

Geschmacklich ganz klar ein Bourbon Drink, recht sauer, mit einem leichten Kratzen von Vergorenem in der Kehle, Zimt, Kräuter und eine Apfel Note die an Calvados oder Apfelmost erinnert.
Fantastisch als Aperitif zu trinken, vor allem jetzt in der Weihnachtszeit, ansonsten empfehle ich entweder mehr Zucker in den Shrub oder direkt in den Drink zu geben.

AMARO MIO

TRINKEN UM ZU ZERSTREUEN …

Hier sind wir mal wieder beim Thema Schnaps mit Schnaps verrühren.
Es musste etwas starkes her!
Wir hatten spontan eine sehr gute Freundin zum Abendessen zu Besuch, die zwei Tage vorher, einen schweren Schicksalsschlag erlitten hatte und so suchte sie etwas Zerstreuung.
In Sachen Zerstreuung bin ich gut, verfüge über einiges Wissen in dem Bereich und über eine große Anzahl an Zerstreuungsrequisiten.
Sprich: Spirituosen, Liköre, Wermuts, Sirups und schicke Glasware!
Zitrusfrüchte oder Tonic waren zwar nicht im Haus und dry Martini Cocktail, wie auch der Manhattan, kommen in unserem Freundeskreis im allgemeinen nicht so gut an, aber trotzdem, wer zu uns nach Hause kommt, kann immer auf geistige Ergüsse zählen, verbale, wie auch flüssige!
Also was tun?
Ich hatte durchaus Lust auf einen Manhattan, aber für unseren Besuch musste es eine leichtere und zugänglichere Version her.
Da kam mir der RED HOOK in den Sinn, ebenfalls benannt nach einer Gegend in New York, genau wie sein weltbekannter Verwandter.
Statt nur Bourbon und italienischen Wermut zu benutzen, kommen hier Rye Whiskey und der etwas herbere Punt e Mez zum Einsatz. Gepimmt wird das Ganze durch eine fruchtige Portion Maraschino.
Das Resultat ist wesentlich lieblicher, als der sehr knackige Manhattan.
Ich steh total auf den Drink und neuerdings auch unsere liebe Freundin.

 

RED HOOK
6 cl Beam Rye Whiskey
1,5 cl Punt e Mez
1-1,5 cl Maraschino
Auf Eis sehr kalt rühren, abseihen und mit einer Kirsche garnieren.

Die Menge des Maraschino Likörs hängt vom jeweiligen Geschmack ab.

Da wir den ersten der vier Drinks direkt nach dem Essen tranken, habe ich mich für die süße Variante entschieden und habe die nachfolgenden dann etwas trockener werden lassen.

Wie schmeckt der RED HOOK denn nun?
Der erste Moment wird ganz klar vom Whiskey dominiert, aber innerhalb von Sekunden schalten sich Wein und Kirschnoten dazu und der Mund ist erfüllt von einem angenehm süßen, sehr runden Gesamteindruck, während die Kehle, durch die recht große Menge an Alkohol in diesem Drink, eine leicht ölige Wärme erfährt.

Für mich bis dato der beste gerührte Cocktail, den ich kenne!

Ebenfalls sehr lecker und in die gleiche Kerbe schlagend ist der Brooklyn Cocktail, mit dem ich den Abend beendet habe.

Der Brooklyn ist viel älter als der Red Hook und genau genommen resultiert letzterer aus dem ersten.

Wahrscheinlich entstand der Red Hook durch den Umstand, das Amer Picon seit langer Zeit in den USA nur schwer erhältlich ist. Man wird durch den Einsatz von Punt e Mez versucht haben die bitteren Noten des Picon zu ersetzen.

 

Brooklyn cocktail
6 cl Rye whiskey
2 cl roter Wermut
0,7 cl Maraschino
0,7 cl Amer Picon
Zubereitung wie beim Red Hook.

Das Foto entstand bei einem Versuch mit Bourbon. Das Foto war gut, die Rye Variante besser!

Ich habe an dieser Stelle mal wieder den 1776 Rye Barrelproof genommen, was den drink auf grund des hohen Alkoholgehalts sehr knallig macht.
Aber dieser Rye bringt einfach extrem viel wunderbare Würze in den Drink!
Wer nun die beiden Cocktails vergleicht, denkt schnell, das sie fast gleich schmecken müssen.
Weit gefehlt, bringt doch der PICON eine gehörige Menge bitteren, dunklen Malz ins Spiel und vor allem eine Orangen Note, die dem Ganzen einen komplett anderen Dreh gibt.
Erwähnt werden muss auf jeden Fall, des der Brooklyn im Original mit Dry Wermut gemixt wird und damit automatisch etwas trockener daher kommt.
Die Version mit rotem Wermut, die gelegentlich Bushwick genannt wird, schmeckt mir einfach besser und der Name Brooklyn gefällt mir besser.
Sucht es Euch aus, welche Variante Euch besser gefällt, der Don ist in jedem Fall in der Lage, alle genannten Drinks in der gewohnten Qualität zu servieren.

Die Mission des Abends war ebenfalls sehr erfolgreich, es wurde gegessen, getrunken, ausgelassen gequasselt und viel gelacht!

BUZZIN‘ AND HUMMIN‘…

Ich wollte schon lange mal über THE BEE‘S KNEES schreiben, ein Gin Sour, der mit Honig statt des üblichen Zuckers gesüßt ist.
Entstanden in Zeiten der Prohibition, häufig in Verwendung von üblem, schwarz gebrannten Gin, oder in der heimischen Badewanne zusammen gepanschtem Bathtube Gin, brauchte man etwas, um die Fusel Noten dieser Spirituosen zu kaschieren.
Honig ist zu diesem Zwecke hervorragend geeignet, seine schwere Süße legt sich wie ein Film auf die Zunge, lenkt die Aufmerksamkeit weg von der Spirituose, hin zu warmen Sommerwiesen, den Honig Stullen bei Oma oder weckt ähnliche persönliche Assoziationen.
Zusätzlich verleiht er diesem Drink eine wunderbare, schon fast cremige Textur, was sehr angenehm ist.

 

THE BEE‘S KNEES
6 cl Tanqueray Gin
3 cl Zitrone
2 cl Honigsirup 2/1
Alle Zutaten auf Eis schütteln und in eine Cocktail Schale abseihen.
Straight up servieren.

REFRESHING!!!! SIMPLY GOOD, SIMPLY GOD!!!

Als Spirituose findet hier, wie meistens, wenn es sich um Gin handelt, der gute alte Tanqueray Verwendung.

Jeden Tag kommt ein neuer Gin daher, mit Schnick und Schnack, was weiß ich…aber um, wie in diesem Fall, bei London Dry Gin zu bleiben, was soll ich mit dem ganzen fancy Kram? Da bleibe ich gerne bei einem Produkt, das seit Generationen fantastische Qualität liefert, auch auf die Gefahr hin, als nicht sophisticated genug zu gelten.

Die Menge des Honigs sollte nach persönlichem Geschmack und der Süße des verwendeten Honigs eventuell nach justiert werden.
Ich mag es in diesem Fall gerne crisp, mit viel Säure, um den Honig in Schach zu halten.

Bei der Recherche zu diesem Drink, stieß ich immer wieder auf eine recht weit verbreitete Abwandlung des BEE‘S KNEES, der die gleiche Architektur aufweist, aber Rum als Spirituose zum Einsatz bringt.
Buzzzz, Buzzzz, Buzzzz…

 

THE HONEY BEE!
6 cl Rum
2 cl Honigsirup 2/1
1,5 Limette
1-2 Dashes Orange Bitters
Zubereitung wie oben.
Straight up oder on the Rocks servieren, jeder wie er möchte!

Ein Gaumenschmeichler, Rum und Honig lieben einander, als wären sie eins!
Ich mag es gerne mit weißem Agricole, in diesem Fall Neisson 55% vol.
Dieser Martinique Rhum weißt neben den für alle Agricoles typischen grünen, grasigen, auch noch massenweise Noten von überreifen Früchten, wie Bananen und Papayas auf.
Der Drink funktioniert aber auch hervorragend mit Melasse Rum jeglichen Ursprungs!
Ein schön kräftiger Jamaika Rum, wie Myers original Dark, der von mir geliebte Wray & Nephew Overproof, oder ganz simpel, Havana Club 3 Años aus Cuba, es kommt einzig auf die persönliche Präferenz an!!

Für den besonderen Kick, probiert es mit Stiggin’s Fancy Pinaple Rum, ein Hammer…

Mit Tequila nenne ich diesen Cocktail THE WASP.

Zu guter Letzt sei noch ein weiterer Drink zu erwähnen, auf den ich schon vor langer Zeit Bezug genommen habe, in meinem Post zu dem von mir selbst gebastelten DIGGERS COUGH.

 

T.J. Siegal‘s
GOLD RUSH COCKTAIL
6 cl Bourbon oder Rye
2 cl Honigsirup 2/1
1,5-2 cl Zitrone
Auf Eis Schütteln und abseihen.
On the Rocks servieren.

Wie die beiden vorhergehenden Drinks, ebenfalls ein Getränk erster Klasse!
Mit Bourbon schon unglaublich gut, aber noch viel besser mit 58 prozentigem 1776 Rye Barrel Proof!!
Dieser, meines Erachtens pur fast ungenießbare, jedoch zum mixen bestens geeignete, aufdringliche, Ecken und Kanten aufweisende Rye Whiskey, geht mit dem Honig eine Verbindung ein, die unwiderstehlich ist.
Im Gegensatz zu den oben genannten, sehr harmonisch und lieblich daher kommenden Drinks, ist dieser sehr funky, leicht aggressiv und da durch viel interessanter in seiner Aromatik.
KING BEE wäre wohl der passendere Name.
Diese sehr robuste Variante service ich grundsätzlich on the Rocks.

Nichts für schwangere Frauen und kleine Kinder!!!

Keep on buzzzin‘ and hummin‘…

Manhattan Ist Auch Ohne Twin Towers Schön …

Hier ein schwieriger Geselle, mit einfachem Rezept.
Im Grunde genommen besteht dieser alte Klassiker der Bar Kultur nur aus zwei Zutaten,American Whiskey und Vermouth. Der Teufel steckt wie immer im Detail.
Das Mischungsverhältnis ist in erster Linie Geschmacksache und darüber kann man nicht streiten.
Aber, nicht jeder Vermouth passt zu jedem Whiskey.
Ich habe den ersten Manhattan meines Lebens bei meinem Lieblings Barkeeper an Bord der Mprezz getrunken, und fand ihn wunderbar.
Zu Hause habe ich ihn nach gemixt, aber, oh Graus, es war widerlich.
Ich hatte Dolin Rouge Vermouth benutzt, das war wie ich heute weiss, der Fehler.
Martini Rosso war noch schlimmer, egal ob mit Bourbon oder Rye.
Nun habe ich letztens im Weinhaus Kottkamp in Oldenburg einen mir unbekannten Vermouth Rosso der Firma Matter-Luginbühl aus der Schweiz gekauft, und der ist super.
Nicht ganz so süß wie Carpano, aber vollmundiger und süßer als Dolin.
Seine Süße, leichte Bitter- und Kräuternoten machen diesen Vermouth zu einem vorzüglichen Genuss.

MANHATTAN
5 cl Elijah Craig Bourbon
2,5 cl Roter Vermouth
Dashes Peychaud Bitters
Auf Eis rühren und in eine vorgekühlte Cocktail Schale abseihen.
Der Drink wird immer staight up, ohne Eis serviert.
Kirsche als Deko.

Schöne Sache, das!
Nicht ganz so abgefahren, wie der Manhatten PX,
den der Meister auf dem Sherry Tasting serviert hat
den ich glücklicherweise schon eine Woche vorher probieren durfte,sondern ein Standard Manhattan, wie man ihn überall auf der Welt serviert bekommt.

Cheers!

PAULIE WALNUTS

Nach dem im vorletzten Drink, dem PERMANENT HOLIDAY, Averna und Bourbon so prima harmonierten, stellte sich mir die Frage: “geht das auch einfacher?”

Wie schmeckt ein All-American-Sour, aus Bourbon und Rye, gesüßt und aufgemotzt mit italienischem Averna Likör?
Und wie müsste man den Drink nennen, um beiden Heimatländern gerecht zu werden?

Raul Duke’s

PAULIE WALNUTS
2 cl Bourbon
2 cl Rye
2,5 cl Averna
1,5 cl Zitrone
1 cl Zucker
Dashes Black Walnut-Bitters

Shake ‘n’ strain on Crushed Ice

Erstens:
Der Drink schmeckt fantastisch!
Der Kräuterlikör verleiht ihm eine tiefe, kräftige Süße, die geradezu wie geschaffen ist, ein Gegengewicht zu dem würzigen Rye Whisky zu bilden und
sich gleichzeitig mit ihm zu verbinden.

Zweitens:
Wahrscheinlich gibt es diesen Drink schon irgendwo auf der Welt, aber wo, das weiß nur Allah, oder so.
Also reklamier ich den mal so halbwegs für mich!
Einen Namen zu finden war ausgesprochen einfach.
Amerika und Italien, da denke ich sofort an diverse meiner lieblings Filme, wie “Casino” oder “Good Fellas”, und nicht zuletzt an die erste Fernsehserie, die mich wirklich gepackt hat, “The Sopranos”!
Meine Lieblingsfigur in der Serie war der etwas schrullige Paulie “Walnuts” Gualtieri, Tony Sopranos Rechte Hand.
Ihm gilt nun die Ehre, Pate zu stehen, für einen Drink, der Tote wieder zum Leben erwecken kann…

An dieser Stelle erst recht: “PENG”